Emden | ist nicht Siegen | ist nicht Berlin – Nani Iro

Ich kann mich noch gut an den Schnittunterricht in der Meisterschule erinnern und einen Satz, den uns unsere wunderbare Lehrerin mitgegeben hat. Es ging darum, wie ein Schnitt aufbereitet und beschriftet sein muss, bevor man ihn in fremde Hände abgibt.

Jeder, der den Schnitt verwenden möchte, muss ihn zuschneiden und nähen können, ohne nachfragen zu müssen – selbsterklärend quasi. Mit Angaben zu Nahtzugaben, Fadenlauf, Mitten, Passzeichen… und sofort. Also, so dachte ich, dürfte auch eine japanische Anleitung keine Schwierigkeiten machen…

So war ich recht zuversichtlich, als Ute, ich und unser hochkarätiger Gast, der sich morgen die Ehre geben wird, uns dazu entschlossen, einen japanischen Schnitt von Nani Iro zu versuchen, zu dem es nur eine, mit japanischen Schriftzeichen versehene Zeichnung gibt.

 http://naniiro.jp/textile/pattern-making/pm2009

Meine Wahl viel auf den Pocho Smok.

Die beiden anderen Damen wähne ich leicht im Vorteil, da sie durch den JapanSewAlong das Nähen nach japanischen Schnittbüchern schon perfektionieren konnten. Allerdings, so denke ich, fällt es mir leichter einen Schnitt zu zeichnen… hm.
Wir werden sehen.

Tatsächlich war das Nachzeichnen der einzelnen Linien nicht das Problem.
Ich konnte jedoch leider nicht herausfinden, ob die Nahtzugaben (in den Kreisen) bereits in den Maßangaben enthalten sind.

Auch die ins Englische übersetzte Zeichnung konnte da keine wirkliche Abhilfe schaffen…

http://www.japanesesewingbooks.com/2013/03/18/translation-requests-2-nani-iro-patterns/

Ich habe mich schlussendlich dazu entschlossen anzunehmen, dass sie enthalten sind. Punkt. Viel größere Probleme machten mir die verschobenen Proportionen. Mein Ausschnitt laut Maßzeichnung sieht viel tiefer aus als der auf der Anleitung… Aber nachdem ich alles nochmal nachgemessen hatte und mein Schnitt auch nach einer Bluse aussah, habe ich ihn so wie er war aus- und zugeschnitten.

Nächstes Problem…

Für eine echte NaniIro Bluse wollte ich gerne auch einen NaniIro Stoff vernähen. Fündig wurde ich im Stoffsalon, die mir nach langer Suche mein perfektes Material schickten. Leider habe ich etwas zu knausrig bestellt…

Vielleicht hätte der Stoff auch gereicht, aber als alter Herrenschneider wollte ich das Fischgratmuster auch in die richtige Richtung laufen lassen. Also!? Weite rauskneifen.

 

Genäht habe ich beim Nähcamp in Berlin.

Ich bin von der Passform leider nicht überzeugt.
Vielleicht mag es an der voluminösen Stoffqualität, des DoubleGauze liegen, oder daran, dass dem Blüschen einfach 16cm Weite fehlen – dadurch wird es oben so breit, der Ärmel wird sehr ausladend über der Schulter…

 

Normalerweise würde ich aber auch kein Shirt drunter tragen, das hat zusätzlich ein wenig „gestaucht“.
Noch bin ich nicht ganz schlüssig, wie und ob ich die Bluse tragen werde. Vielleicht ändere ich nochmal was am Ärmel… Form, Farbe und Länge wenigstens entsprechen meinem Typ optimal (?), wie ich seit der Stilberatung am Wochenende weiß…

Vielleicht kann ich wenigstens mit meinen Modelqualitäten punkten, wenn ich schon in der B-Note massive Abzüge machen muss….

Soweit also mein Beitrag zur „Emden ist nicht Berlin“ – Reihe.

Aber was wäre Berlin ohne Emden oder Siegen!?

Dieses Mal nehmen Ute und ich Catrin vom stoffbüro in unsere Mitte und morgen gibt es im stoffbüro-Blog einen Einblick ins „blinde japanische Schnittzeichnen“ in Siegen und all seinen Tücken.

Am Donnerstag geht es dann hier weiter – wie schon im Januar – mit Ute!

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